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Schwärmen für Margot und Larissa

Von Bärbel Kistner, Heilbronner Stimme

Heilbronn - Elke Böddecker hat eine schlaflose Nacht erlebt. Wie vor einer Klassenarbeit, auf die sie nichts gelernt hat, fühlt sich die Bad Wimpfenerin auf dem Lehrbienenstand am Westfriedhof in Böckingen. Ihr erstes Bienenvolk soll sie dort gleich in Empfang nehmen. Zum ersten Mal selbstständig den Stock öffnen, ein Brutnest herausnehmen und vielleicht sogar die Königin entdecken.

22 Neuimker aus dem Stadt- und Landkreis sind ähnlich gespannt auf die erste Begegnung mit ihrem Bienenvolk, das in einer der Kisten auf sie wartet. Seit November nehmen 42 Männer und Frauen an einem Einführungskurs teil, sogar ein Neunjähriger, Loris Herrmann aus Leingarten ist dabei.

 

Adolf Fritz ist einer von sechs Experten im Bezirksimkerverein Heilbronn, der die Neulinge berät. Er hat auch im vergangenen Spätsommer die Ableger gebildet, die inzwischen zu einem stattlichen Jungvolk herangewachsen sind. Bis zum Ende der Rapsblüte auf den umliegenden Feldern sollen die Völker in Böckingen bleiben und danach auf die Waldheide umsiedeln. Gemeinsames Hegen der Tiere gehört auch zum Kursprogramm.

Brand vortäuschen Bevor es ans Öffnen geht, müssen Imker für Rauch sorgen und ihre Smoker entzünden. Ein Waldbrand soll suggeriert werden: Die Arbeiterinnen bereiten die Flucht vor und konzentrieren sich nicht auf den Menschen, erklärt Fachmann Bodo Peter. Jeder Eingriff, auch wenn er nötig ist, stört die Tiere.

„Ein gutes Gespür“ bestätigt Bodo Peter dem Neuimker Eberhard Drautz. Auf Anhieb hat der Weinsberger vorsichtig die Wabe mit Margot aus dem Stock gezogen - so hat er seine Königin genannt und nach ihr das ganze Volk. Schließlich habe auch jede Kartoffel einen Namen. Seit 30 Jahren schon interessiert er sich für Bienen, ist fasziniert von ihren Fähigkeiten und ihrem Wesen. Der Honig ist für ihn Nebensache: „Wir machen das nicht nur für uns, sondern für die Umwelt.“

Auch für Hermann Pfennig ist der Honigertrag nur „positive Nebenerscheinung“. Naturerhalt ist ihm wichtig. Dazu will der Fast-Ruheständler mit seiner Königin Larissa und ihrem Bienenvolk beitragen. Stundenlang vor dem Flugloch sitzen und die Ruhe am Bienenstand genießen, darauf freut sich Horst Watson. „Das ist das krasse Gegenteil zu meinem Beruf als Werkzeugmacher“, sagt der Mann aus Siegelsbach. Lange hat das bunte Völkchen der Neuimker sich gedulden müssen, Bienen war es bislang zu kalt. Wenn erst die Kirschen blühen, dann geht es rund.

 

 

Übergabe der Völker an die Jungimker

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